Wir reden viel über Düfte, aber Parfümflakons sind für uns genauso wichtig wie der Duft. Mit der Zeit hat sich auch der Fokus von Parfümflakons verändert, sodass es unmöglich ist, allgemeingültige Aussagen darüber zu treffen, welche Form zu welchem Duft passt. Doch die Geschichte und die neuen Düfte der letzten Jahre zeigen, dass der Duftmarkt von der Zeit geprägt wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandelte sich Parfüm vom persönlichen Gebrauchsgegenstand zum kommerziellen Produkt. Im Streben nach besserer Aufbewahrung und später auch nach auffälligeren Zwecken erlebten Parfümflakons eine enorme Revolution. Ursprünglich aus Metall, Keramik und anderen Materialien gefertigt, entwickelte sich opakes Farbglas zu transparentem Glas. Chanel No. 5, Guerlain Arabian Nights und andere Werke enthalten eine goldene Flüssigkeit. Diese Flüssigkeiten dringen durch das Kristallglas und entfalten den kunstvollen und „reichen“ Duft.
„Klassische Parfümflakons: Die 1980er“ beschreibt, wie „Parfümflakons der 1980er Jahre ein feines Gleichgewicht zwischen Rundungen und Eleganz fanden“. Viele Parfümflakons dieser Zeit waren rund, wie zum Beispiel das berühmte „Poision“. Vielleicht lag es daran, dass die Leute ihr Geld nur in Einkaufszentren ausgaben. Ob Fernsehwerbung oder riesige Poster – je prächtiger die Flakons, desto auffälliger waren sie. In den 1990er Jahren waren Rundungen bereits gesättigt. Um die Aufmerksamkeit der Verbraucher zu erregen, tauchten immer unregelmäßigere Formen auf. Muglers „Angel“ hatte die Form eines Sterns, Jean Paul Gaultier die eines Menschen. Damals gab es viele Parfüms mit ungewöhnlichen Formen, aber nur diese beiden Parfüms sind heute in Erinnerung geblieben.
Ebenfalls in den 1990er Jahren erschien CK One mit einem schlichten, unglamourösen Flakon und einer farblosen, unaufdringlichen Flüssigkeit. Diese Schlichtheit betonte die Frische des Duftes. Der amerikanische Markt liebt frische Düfte einfach sehr. Eine schlichte Verpackung spiegelt ihre Reinheit wider. CK One war ein weltweiter Erfolg. Gleichzeitig erfreute sich auch Estée Lauders Pleasure mit seinem minimalistischen Stil großer Beliebtheit. Doch Ende der 90er Jahre hatte jeder Duft seine eigene Form.
Im neuen Jahrhundert haben wir möglicherweise die bisherigen Erfolgserlebnisse oder die Vertiefung des Umweltschutz- und Minimalismus-Konzepts erlebt. Parfümflakons werden zunehmend schlichter gestaltet. Der Dior Self von 1999 bestach durch sein elegantes Design, während man bei der Dior Lady von 1991 den Klang von Geld in der Glasfabrik hören konnte. Verglichen mit dem Flakonkörper von „24 Farb Street“, der 1995 von Hermes herausgebracht wurde, erforderte der orangefarbene Sternenhimmel von 2004 deutlich weniger Aufwand bei der Glasformung.
Das neue Jahrhundert ist auch das Zeitalter des Internets. Die Leute begannen, im Internet über Parfüms zu sprechen. Das Internet wird für die Bewertung von Gerüchen immer wichtiger, und je mehr positive Bewertungen, desto mehr Verkäufe. Parfümflakons scheinen nicht mehr so wichtig zu sein. Luxusmarken, die sich einst auf Fernsehwerbung und Plakate verließen, verlagern ihren Fokus weg von identischen Flakons. Viele Marken brachten um 2004 Parfümserien der XX High Set, der XX Collection, heraus. Die Düfte dieser Kollektionen haben überhaupt nichts miteinander zu tun, weder EdP noch EDT, aber sie verwenden denselben Flakon und werden auch als teurer ausgezeichnet. Sogar Tom Ford, das 2005 auf den Markt kam, hat eine ganze Linie von Parfüms, die grundsätzlich gleich aussehen. Guerlain hat in den letzten Jahren viele klassische Formen aufgegeben und die Düfte in Bienenflakons abgefüllt.
Man sagt, Mode sei ein Zyklus, doch tatsächlich ist auch der Kapitalmarkt ein Zyklus. Das Aufkommen populärer Stile wird den Trend verändern. In den nächsten Jahren wird alles kopiert, was jemals ein Hit war. Bei Parfüms sind sowohl der Duft als auch die Formgestaltung die Punkte, die nachgeahmt werden sollten.
Veröffentlichungszeit: 08.04.2022
